SONG STORY #02: DIE HÖCHSTE EISENBAHN – BÜROTAGE
In Zeiten von aufgezwungen Debatten über Lifestyle-Teilzeit und faule Zoomer ist es heilsam, mal zwischendurch die Augen zu schließen und Musik zu hören.
Natürlich ist schon dies ein Affront. Denn mit geschlossenen Augen bringen wir das Land wohl kaum voran. So zum „Leistungsträger“ werden? Ausgeschlossen! Nicht einmal zur „hart arbeitenden Mitte“ dürfen wir uns dann noch zählen.
Die Herrschenden scheinen sich weitgehend einig zu sein: Es braucht einen Ruck in der Republik. Wir müssen fleißiger sein, weniger krankfeiern, mehr arbeiten. Doch mehr arbeiten – für wessen Rendite?
Wer das Gerede von der gesamtgesellschaftlichen Kraftanstrengung satt hat und sich der kapitalistischen Verwertungslogik entziehen möchte, sollte den 2025 erschienenen Song „Bürotage“ von Die Höchste Eisenbahn hören.
Ein Hoch auf die Drei-Tage-Woche
Das Stück steht nicht nur symptomatisch für das vor Kreativität und Sprachwitz sprühende Werk der um Francesco Wilkung und Moritz Krämer 2011 gegründeten Band; „Bürotage“ beinhaltet auch ein starkes Statement in Sachen Life-Work-Balance.
Denn während der Ich-Erzähler montags, dienstags und mittwochs „Bürotage“ hat und daher leider nicht kann, sieht es im Rest der Woche anders aus. Denn: „Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag – bin ich da“, heißt es im zweiten Teil des Refrains. Oder besser transkribiert: „Bin ich daaaaa!“
Doch was heißt es eigentlich, da zu sein? Besonders nützlich oder marktförmig klingt das nicht – schon gar nicht, wenn sich dieser Zustand über vier ganze, wertvolle Tage erstreckt. Sollten wir in dieser Zeit nicht lieber „verfügbar“ sein, um gemeinsam das Bruttosozialprodukt zu steigern?
Was heißt „Dienst an der Gesellschaft“?
Doch wo führt das hin? „Diese Welt ist dunkelblau eingefärbt“, heißt es im Song, Vereinzelung und Depression stehen vor der Tür. Bis zum Hass ist es nicht mehr weit. Ob Verdammung der vermeintlich Nutzlosen da weiterhilft?
Was „Dienst an der Gesellschaft“ auch bedeuten könnte, erfahren wir von Wilking, Krämer & Co. Denn eine erste Antwort auf diese hochexplosive Gemengelage aus Angst, Wut und Ohnmacht, ist womöglich ganz simpel.
Sie lautet: „Wenn du einen Freund brauchst, bin ich daaaaa!“


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