SONG STORY #06: AMY WINEHOUSE – BACK TO BLACK
Befinde ich mich in einer toxischen Beziehung? Wer sich diese Frage stellt, kann in den Weiten des Internets diverse Selbsttests durchführen. Auch Bücher und Podcasts zu diesem Themenkomplex finden sich viele.
Die Ausdrucksformen dysfunktionaler Paarbeziehungen sind vielfältig. Der Weg vom Love Bombing bis hin zum Gaslighting und nicht zuletzt der Anwendung von physischer Gewalt ist manchmal kurz.1
Vor 20 Jahren – bevor der Begriff des „Toxischen“ in unseren aktiven Sprachgebrauch überging und man sich im Facebook-Status maximal zu einer „komplizierten“ Beziehung bekannte – erschien ein wegweisendes Album, das sich einem solchen toxischen Verhältnis widmete.
Die Rede ist vom zweiten (und letzten) Album von Amy Winehouse „Back To Black“, das im vermeintlich unbeschwerten „Sommermärchen“-Jahr 2006 erschien. Amy Winehouse war damals 23 Jahre alt. Der Tonträger verkaufte sich über 20 Millionen Mal.
Im kollektiven Millennial-Bewusstsein
Der soulig-jazzige Sixties-Sound begleitete uns damals fröhlich-beschwingt durch die Nullerjahre – dabei wiesen die Texte des Albums direkt in die Abgründe des Seelenlebens der 1983 im Norden Londons geborenen Künstlerin.
Unumwunden räumte Winehouse später ein, dass alle Songs des Longplayers „vom damaligen Stand [ihrer] Beziehung mit Blake“2 handelten. Dieser hatte kurz vor Entstehung des Albums die Verbindung zu ihr per SMS gekappt, um zu seiner Freundin zurückzukehren.
Der Refrain des Titelsongs „Back To Black” fasst dies in folgender – ins kollektive Millennial-Bewusstsein eingeschriebener – Textzeile zusammen: „We only said goodbye with words / I died a hundred times / You go back to her / and I go back to black”
Die Liebe als „Losing Game“
So sehr Amys Beziehung zu Blake auch zum Urquell einmalig-schöner Popsongs wurde, so erwies sie sich im echten Leben der Britin als „Losing Game“. Daran änderte auch das erneute Zusammenkommen mit Blake und die Hochzeit 20073 nichts – im Gegenteil.
Harte Drogen, in deren Abhängigkeit ihr Partner sie geführt hatte4, prägten nicht nur die Beziehung der beiden, auch Amys weitere Karriere als Musikerin und nicht zuletzt ihr ganzes Leben standen unter keinem guten Stern. Retrospektiv scheint der frühe Tod der Ausnahmekünstlerin hier schon vorgezeichnet.
Heute, 20 Jahre später, werden „toxische“ Beziehungen und „toxische“ Männlichkeiten nicht nur thematisiert, sie werden auch immer häufiger von ihren Begriffshülsen befreit, um über die darunter liegenden, mitunter tödlichen Probleme einer patriarchalen Gesellschaft zu sprechen. Vielleicht lässt sich Amys tragische Lebensgeschichte auch unter diesem Gesichtspunkt noch einmal näher betrachten.
Als Amy Winehouse am 23. Juli 2011 starb, war sie gerade einmal 27 Jahre alt. Dass sie damit in den sagenumwobenen „Club 27“5 Eintritt fand, war und ist nur wenig tröstlich. Wie gerne hätten wir noch weitere Musik von ihr gehört!
Fußnoten
- Eine hilfreiche Einordnung – inklusive einer Erläuterung zentraler Bestandteile von toxischen Beziehungen – bietet der Artikel „Toxische Beziehung“ von Frank Luerweg. In: Psychologie heute, 2025. Siehe: https://www.psychologie-heute.de/beziehung/artikel-detailansicht/42593-toxische-beziehung.html ↩︎
- Zitiert aus: „1001 Songs: die Sie hören sollten, bevor das Leben vorbei ist. (Edition Olms)“, 2022 ↩︎
- Die Scheidung folgte 2009. ↩︎
- Folgendes hat Blake Fielder-Civil 2008 eingeräumt: „Ich habe meine Amy zum Junkie gemacht. Ich habe sie dazu gebracht, Heroin, Crack und Kokain zu nehmen und sich selbst Wunden zuzufügen.“ Siehe: https://www.spiegel.de/panorama/leute/winehouse-ehemann-ich-habe-meine-amy-zum-junkie-gemacht-a-593589.html ↩︎
- Die weiteren Mitglieder des Clubs sind die ebenfalls mit 27 verstorbenen Popstars: Brian Jones (Rolling Stones), Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison (The Doors) und Kurt Cobain (Nirvana). ↩︎


Schreibe einen Kommentar